Sagenbrunnen 
Der Chamer Sagenbrunnen, eine satirische Allegorie der Sagen von Cham und des Bayerischen Waldes, auf einer 8 Meter großen Linsenarchitektur inspiriert durch die Silhoutte des abgetragenen Gebirges des beginnenden Bayerischen Waldes.
1995
Cham
Bronze
Eine satirische Allegorie über die Sagen des Bayerischen Waldes. Inspiriert von der Landschaft des Bayerischen Waldes entstand eine 8 Meter große Linsen-Architektur aus Bronze, die an die abgeflachten Bergformen des beginnenden Bayerischen Waldes erinnern. Auf dieser Linse gruppieren sich allegorische Sagen-Figuren wie der Bilmertschneider, der Nachts über die Felder streunte und den Bauern das Getreide stahl, Marschall Luckner, ein Sohn der Stadt Cham, der in Frankreich für seine militärischen Dienste bei der französischen Revolution zu Ehren kam. Ihm wurde ein Soldatenlied gewidmet, das später die Nationalhymne der Franzosen wurde, die Marseillaise. Er schreitet mit großen Schritten in seiner Marschalluniform, symbolisch für sein Wirken, hinaus in seine Welt. Die dritte Figurengruppe ist den Waldhexen gewidmet, die in den Raunächten des Bayerischen Waldes immer wieder auftauchen. Während die Hexenkinder uns freundlich zuwinken, schaut die Hexenmutter sich in einem Spiegel an und bemerkt, dass ihre Schönheit durch den sauren Regen sehr gealtert ist. Um sich etwas aufzuschönen trägt sie Lockenwickler im Haar. Der große Kamm am Fuß des Baumstammes, auf dem sie zum kämmen ihrer Frisur sitzt, soll hinweisen auf den Namen der Stadt Cham. Im Baumstamm haben die Hexenkinder ein Zitat eingeschnitzt als Mahnung für uns Menschen: „Die Wälder gehen den Menschen voraus, die Wüsten folgen“. Der Bilmertschneider mit den goldenen Sicheln und einem Getreidebund im Arm hält einen Fisch in der Hand, auf dessen Rücken die Silhouette der Stadt Cham zu sehen ist. Im Mittelalter gab es die Sage, „die Schäfer dürfen nicht ins Horn blasen, sonst wacht der Fisch auf“, auf dem Cham gebaut ist. Gemeint waren die kleinen Erdbeben im Bayerischen Wald – Cham liegt auf einem fischähnlichen Bergrücken, der gelegentlich leicht bebte und den Menschen früher große Angst einflößte. Jede der Figuren spuckt Wasser abwechselnd und zufällig über die Bronzelinse hinaus und trifft gelegentlich zur Freude der Chamer einen aufmerksamen Betrachter. Das Wasserspiel wechselt, spritzt einmal gewaltig durch die Figurengruppe, hört wieder auf und überströmt gleichmäßig die große Bronzelinse, faszinierend in seiner magischen Wirkung.
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JMN

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